Schlafnavigation von Bjoern Steinbrink - Buch - Seite 17
#14
SCHLAFNAVIGATION
Stiftung Warentest hilft mir bei meiner
individuellen Matratzenauswahl weiter!
Nein, auf gar keinen Fall. Wer das glaubt, glaubt auch, dass
Zitronenfalter Zitronen falten. Die Idee, dass sich eine Matratze
„automatisch anpasst“, ist physikalisch ungefähr so haltbar wie ein
Perpetuum mobile. Wer im Physikunterricht aufgepasst hat, weiß:
Anpassung entsteht durch Druck und Gegendruck – und nicht durch
magische Selbstoptimierung. Dieses Prinzip ist seit Blaise Pascal
bekannt und ziemlich unumstritten.
Trotzdem wird genau das immer wieder suggeriert – auch von Stiftung
Warentest. Dort wirken Testsieger oft so, als könnten sie genau diese
Wunder vollbringen. Man könnte jetzt vorschnell sagen, die Leser seien
naiv – aber das greift zu kurz. Der eigentliche Punkt ist viel einfacher:
Menschen mögen es bequem. Warum selbst denken, wenn einem die
Entscheidung schon fertig serviert wird?
Wer sich allerdings die Mühe macht, logisch zu hinterfragen, merkt
schnell: Eine „Testsieger-Matratze“ kann gar nicht für alle passen.
Schließlich ist jeder Körper anders. Wer echte Ergonomie will, braucht
eine Lösung, die individuell abgestimmt ist – und kein Produkt, das
statistisch „für viele ganz okay“ funktioniert.
Auffällig ist auch, dass häufig eher günstige Produkte als Testsieger
hervorgehen. Zufall? Eher nicht. Auch wenn „Stiftung“ im Namen
steckt, handelt es sich letztlich um ein Unternehmen, das Geld
verdienen muss – früher über Hefte, heute über Downloads. Die
Botschaft ist dabei fast immer gleich: günstig schlägt teuer. Klingt
verlockend, spart angeblich Geld – und macht den Download gleich
doppelt attraktiv.
Am Ende bleibt: Einfach ist nicht automatisch richtig. Und wer wirklich
gut schlafen will, kommt um eigenes Nachdenken leider nicht herum.
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