Schlafnavigation von Bjoern Steinbrink - Buch - Seite 13
#10
SCHLAFNAVIGATION
Man soll auf dem Rücken schlafen! Das ist
gesünder!
Nein – man sollte nicht krampfhaft versuchen, sich das Rückenschlafen
„anzutrainieren“. Was man stattdessen tun sollte: etwas gegen eine
verkürzte Hüftbeugemuskulatur unternehmen. Das klingt weniger
spektakulär als die allgegenwärtigen Internet-Videos mit ernster Miene
und Skelettmodell im Hintergrund, ist aber deutlich sinnvoller.
Richtig ist: Wir bewegen uns zu wenig, sitzen zu viel und fördern damit
eine Verkürzung des Hüftbeugers. Und ja, die typische Seitenlage mit
leicht angezogenen Beinen wirkt dem nicht gerade entgegen. Aber
daraus zu schließen, dass Rückenschlafen die ultimative Lösung ist, ist
ungefähr so differenziert wie „mehr Wasser trinken heilt alles“.
Denn der Körper hat durchaus eine eigene Meinung – und die basiert
auf Evolution, nicht auf YouTube. Viele Menschen schlafen instinktiv
lieber auf der Seite, weil sie sich so sicherer fühlen. Diese Position
begünstigt oft tiefere und stabilere Schlafphasen, was wiederum die
Regeneration verbessert. Anders gesagt: Der Körper macht das nicht
ohne Grund – auch wenn es manchen Experten nicht ins Konzept
passt.
Und jetzt kommt der eigentlich unbequeme Teil für alle „Du musst nur
anders schlafen“-Theorien: Eine kurze, gezielte Dehnroutine von fünf
Minuten, zwei- bis dreimal pro Woche, kann denselben Effekt auf den
Hüftbeuger haben wie das erzwungene Rückenschlafen. Nur eben
ohne sich nachts wie festgetackert zu fühlen.
Fazit: Statt sich in eine unnatürliche Schlafposition zu zwingen, ist es
deutlich sinnvoller, die tatsächliche Ursache anzugehen. Weniger
Dogma, mehr Bewegung – klingt unspektakulär, funktioniert aber
erstaunlich gut.
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